lanpho

Landschafts- und Großformatphotographie

Großglockner Tag 2 – Hinunter zum Gletscher

Ein Kommentar

Früh am Morgen stand ich auf um einige Aufnahmen der umliegenden Berge zu machen. Da es in der Nacht vorher stark geregnet hatte hielt ich die Chancen für Aufnahmen ohne den lästigen Dunst für recht hoch. Ein kurzer Blick aus dem Fenster um 05:30 verriet mir schnell, dass ich im Bett liegen bleiben konnte. Der Dunst war immer noch oder schon wieder da…

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Nach einem Frühstück im Freien bei herrlichem Wetter packte ich meine Sachen um zur Pasterze hinab zu steigen. Die wichtigsten Fragen dabei waren „Wie sieht es dort unten aus?“ und „Mit oder ohne Großformat?“. Da ich weder die Gehzeit noch die genauen Gegebenheiten vor Ort einschätzen konnte entschied ich mich nur den DSLR-Rucksack mitzunehmen und ggf. am Nachmittag mit der Sinar nochmals hinunter zu steigen. Den Rucksack gepackt ging es los zur Standseilbahn und mit dieser hinab zur Pasterze. Unten ausgestiegen dann die Ernüchterung, die Pasterze ist heute nicht da. Besser gesagt ist der Gletscher in den letzten 50 Jahren so stark geschrumpft, dass man von der Talstation aus die graue Masse nur weit entfernt erkennen kann. Graue Masse? Einen Gletscher hatte ich mir anders vorgestellt, weiß aus Eis und Schnee und nicht grau wie Asphalt.

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Hilft nichts, da muss ich nun hin. Also ging es eine Stunde über Stock und Stein, im wahrsten Sinne des Wortes. Dann war ich Unten angekommen, jedenfalls an dem Schild mit der Aufschrift: Sie verlassen den gesicherten Weg, Alpiner Bereich, Betreten auf eigene Gefahr. Wunderbar. Diese Weg- und Zeitangaben sind immer sehr präzise, nur am Ziel ist man noch lange nicht, wenn man das „Ziel“ erreicht hat. Also ging es weiter über einen sehr schmalen und steinigen Weg bis zur Pasterze. Dort angekommen schaute ich mir die Gletscheroberfläche an und war doch sehr enttäuscht. Die gesamte Oberfläche war mit Kies und Schotter überzogen, für Fotos eher ungeeignet.

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Nach einiger Zeit entdeckte ich wenigstens ein paar Risse und Spalten im Eis. Da die Sonne bereits sehr kräftig schien entschied ich mich bei einigen Aufnahmen für Bracketing, nur um sicher zu gehen. Wie sich nachher bei der Entwicklung in Lightroom zeigte waren die Sorgen unbegründet, der automatische Weißabgleich der Kamera war jedoch gänzlich unbrauchbar. Bei RAW Aufnahmen ist dies zu glücklicherweise kein großes Problem. Der Wind der über das Eisfeld zog war kalt und so machte ich mich auf den Rückweg, bzw. an die Stelle an der der Gletscher in den Sandersee kalbt. Ich hatte hier auf flickr einige Aufnahmen von richtig blauen Eisformationen gesehen und suchte auch nach Solchen, besonders für den Nachmittagstrip mit dem Großformat.

Die Eisflächen am unteren Ende des Gletschers waren relativ gut begehbar und so suchte ich mir hier passende Motive. Einfach war die Suche hierbei nicht, da weite Teile des Gletschers hier bereits eingebrochen waren und nur noch kleine Teile der Oberfläche als „Dach“ fungierte. Ich konnte dabei von der Seite gut sehen, dass die Eisschicht hier extrem dünn war und somit das Begehen absolut unmöglich war wenn man nicht einbrechen wollte. An den verschiedenen Eisformationen versuchte ich einige Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungen. Da die Lichtverhältnisse extrem schwierig waren entschied ich mich auch hier sicherheitshalber für Belichtungsreihen, nur um sicher zu gehen. Besonders angetan hatte es mir eine kleine Eishöhle, etwa einen Meter hoch und mit einer wunderbaren Struktur der Decke. Das Sonnenlicht schien Teilweise hindurch und erzeugte wunderbare Effekte. Der Boden der Höhle war mit Wasser gefüllt und da die Decke wie bereits erwähnt extrem dünn war war ein begehen gar nicht und ein hineinrutschen auf dem Bauch liegend auch viel zu gefährlich. Ich versuchte also einige Aufnahmen indem ich das Stativ hineinstellte und die Aufnahmen von außerhalb mit dem Fernauslöser startete.

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Die Aufnahmen waren in der Entwicklung nicht sehr einfach, können sich aber, wie ich finde, durchaus sehen lassen. Eisformationen in blauer Farbe, wie ich sie fürs Großformat suchte fand ich leider keine und so beendete ich die Gletschertour nach etwa zwei Stunden.

[UPDATE 18.11.2013]

Wer sich für weitere Details zum Thema Gletscher interessiert sei hier auf eine wunderbare Infografik des Hotel Klausnerhof am Hintertuxer Gletscher verwiesen. Diese Grafik zeigt alles Wissenswerte rund um die Entstehung und das Leben eines Gletschers. Die Grafik kann am Ende dieses Artikels aufgerufen werden. Vielen Dank an das Hotel Klausnerhof für die Grafik und die Erlaubnis der Einbindung. Hintertux ist das einzige Ganzjahresskigebiet in Österreich, einen Besuch dort werde ich für 2014 fest einplanen. Wer auch dort hin möchte sollte sich unbedingt auch die Angebote vom Hotel Klausnerhof ansehen!

[UPDATE ENDE]

So „bequem“ der Weg hinab zum Gletscher war so beschwerlich und steil war der Aufstieg zurück zur Seilbahn. Nach etwa eineinhalb Stunden kam ich schwitzend oben wieder an und erwischte zum Glück gerade die Bahn nach Oben zurück zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Der Weg war mit dem schweren Rucksack doch beschwerlicher als Gedacht und so entschied ich mich mangels Motiven fürs Großformat am Nachmittag nicht nochmals hinunter zu steigen.

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Am Nachmittag fuhr ich noch ein Stück hinab zu einem größeren Wasserfall an der Hochalpenstraße um dort einige Langzeitbelichtungen auszuprobieren. Da der leichte Wind des Vormittags in einen starken Sturm erwuchs waren die Aufnahmen mit Belichtungszeiten von bis zu 2 Minuten sehr schwierig. Der Wind wehte so heftig gegen Stativ und Kamera, dass sich der Wind negativ auf die Bildschärfe auswirkte. Für die Aufnahmen setzte ich erstmals den Big Stopper von LEE, einen 1000x ND-Filter ein. Mit der Qualität des Big Stopper bin ich trotz der extrem langen Lieferzeit sehr zufrieden, zumal das LEE System ein Steckfilter-System ist und man so nicht ständig umständlich die Filter ins Objektivgewinde schrauben muss, was wiederrum zu Bewegungen der Kameraeinstellung führen kann.

Am nächsten Tag ging es dann zurück und ich war etwas enttäuscht, dass ich bei diesem Ausflug kein Motiv mit der Sinar aufnehmen konnte. Der starke Wind machte die Aufnahme einfach unmöglich. Ein Grund nochmals an den Großglockner zu kommen.

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[UPDATE 18.11.2013]
Hier die Infografik zum Thema Gletscher des Hotel Klausnerhof, Hintertux:
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Ein Kommentar zu “Großglockner Tag 2 – Hinunter zum Gletscher

  1. danke, toller Bericht

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