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Landschafts- und Großformatphotographie

Lightroom 5 – Lohnt das Upgrade?

9 Kommentare

Wer ernsthaft fotografiert kommt nicht mehr um ein vernünftiges Programm zur Entwicklung von RAW-Dateien und Bildverwaltung herum. Die wohl beiden bekanntesten Programme sind Apples Aperture und Adobe Photoshop Lightroom. Letzteres ist vor knapp einer Woche nach einer extrem kurzen Betaphase als Final erschienen. Nach den teils gravierenden Problemen beim Umstieg auf Lightroom 4 war ich optimistisch, dass Adobe aus den Fehlern gelernt hatte.

LR4, oder wie der Ärger begann
Beim Update auf Lightroom 4 gab es ein sehr unschönes Problem, dass die in LR3 entwickelten Fotos mit Anpassungen an den Tonwertkurven teils falsch dargestellt wurden. Bei einigen Fotos war der Unterschied gering, bei anderen jedoch extrem. Adobe beseitigte das Problem mit einem Hotfix.

Das Update
Über das Erscheinen von Lightroom 5 war ich nicht besonders verwundert, gab es doch keine enormen Änderungen in Version 5 Beta. Einige kleine Anpassungen bei Entwicklungseinstellungen und eine Funktion für Offline-Vorschauen war schon nahezu Alles. Also kaufte ich gleich das Update und spielte dies ein. Die Installation lief wie gewohnt zügig und ohne Probleme ab. Beim ersten Start wurde der Katalog wie sonst auch ins neue Format konvertiert und danach wurden wohl einige Offline-Vorschauen erstellt. Bei meinem Katalog mit etwa 50.000 Aufnahmen dauerte dieser Vorgang knapp 20 Minuten. Danach war alles wie vorher, keine großen Änderungen, doch…

Die Probleme
Doch die Probleme ließen nicht lange auf sich warten.

  • Exportproblem: Beim Export von mehreren kleinen Aufnahmen die ich per E-Mail versenden wollte fiel mir auf, dass die Aufnahmen nicht entrauscht und nachgeschärft waren. Der erste Schock, hoffentlich sind die Entwicklungseinstellungen nicht weg. Doch in Lightroom waren sowohl Entrauschung als auch Schärfung vorhanden. Wo lag also das Problem. Nach kurzer Suche im Web schnell die Antwort: Ist die Ausgabedatei nur ein Drittel so groß wie das Original oder kleiner, so fehlt in der Exportversion Schärfung und Rauschreduzierung. Toll. In Zeiten, in denen man mit 21 oder 36 Megapixeldateien hantiert sind die meisten Exporte für Web und Mail deutlich kleiner, somit betrifft dieses Problem sehr viele Exporte.
  • RAM-Auslastung: Ein Kollege meinte schnell zu mir, dass Lightroom5 bei ihm besonders im Entwickeln-Modul deutlich schneller arbeite. Dies kann ich nicht bestätigen, jedoch ist mir aufgefallen, dass bei gleichem Katalog LR5 etwa 20% mehr Arbeitsspeicher nutzt als LR4.
  • Korrekturpinsel: Der Korrekturpinsel wurde in LR5 verbessert, eines der wenigen neuen Features. Bei mir resultiert der neue Korrekturpinsel jedoch in einer deutlich trägeren Bearbeitung.
  • Veröffentlichungsdienste: Ein besonderes Problem hat Jeffrey Friedl entdeckt. Fotos die in der Gitteransicht eines Veröffentlichungsdienstes markiert sind sind unter Umständen nicht wirklich markiert. Es kann hierbei vorkommen, dass die Markierungen im Filmstreifen von denen in der Gitteransicht abweichen. Aktiv sind nur die im Filmstreifen ausgewählten Fotos. Wendet man nun Bearbeitungen oder gar den Löschen-Befehl auf solch fälschlich markierte Fotos an hat man unter Umständen Fotos gelöscht die man behalten wollte, ein enormes Problem!
  • Externer Editor: Ein weiteres Problem besteht bei der Bearbeitung in einem externen Editor, wie nachbelichtet.com schreibt. Öffnet man ein Foto in Lightroom5 um es an einen externen Editor wie etwa Photoshop zu übergeben und wählt danach für den gleichen Vorgang ein weiteres Bild aus, so öffnet sich in dem externen Editor nicht das neu ausgewählte Foto, sondern das Erste,
  • Zuschnitt: Ein unschönes Problem besteht auch bei der Freistellung von Fotos. Ändert man eine Hochkantaufnahme in LR5 per Zuschnitt auf eine horizontale Aufnahme kommt es unter Umständen vor, dass Lightroom sich diesen Beschnitt nicht merkt. Wechselt man nach dem Beschnitt auf ein anderes Foto und dann zurück ist die Beschnitteinstellung beim ersten Foto nicht mehr vorhanden. Dieses Phänomen überlebt auch einen Programmneustart. Wer also mit Beschnitten arbeitet sollte hier extrem vorsichtig sein. Weitere Infos hierzu siehe hier.

Auch ist mir Aufgefallen, dass sich trotz angeschlossener Kamera oder Karte im Lesegerät Lightroom5 nicht automatisch öffnet, bzw. den Importdialog nicht öffnet. Obwohl die Funktion „Automatischer Import bei erkannter Speicherkarte“ aktiviert ist reagiert Lightroom nicht darauf und man muss den Importdialog manuell öffnen. Ob dies nun ein LR5 oder ein Mac Problem ist kann ich nicht sagen, da ich diese Funktion bisher nicht benutzt habe und erst jetzt meinen Workflow umgestellt habe.

Fazit
Eigentlich könnte man von einem Hersteller wie Adobe erwarten, dass er solche Probleme nicht nur nicht übersieht, sondern sie dann auch per Hotfix behebt. Bei Adobe scheint man hier jedoch auf das nächste Update zu verweisen, was für gewöhnlich zwei bis drei Monate auf sich warten lässt. Man fragt sich schon, wie ein Hersteller ein Produkt vermarktet, bei dem es schon zum Erscheinungstermin vom Hersteller selbst „Bekannte Probleme“ gibt. Würde man sich ein Auto kaufen bei dem der Hersteller es zwar verkauft und ausliefert, jedoch dann schon weiss, dass das Auto nicht richtig fahren wird und die Lenkung ab und zu von Links nach Rechts zieht wäre der Aufstand groß. Auch die Aussage des Herstellers, das Problem in einigen Wochen zu beheben macht die Angelegenheit nicht weniger schlimm. Nach dem Debakel bei LR4 und den nun erneut auftretenden Problemen ist LR5 für mich derzeit unbrauchbar. Wäre es möglich die bestehenden Kataloge ohne Weiteres nach Apple Aperture zu konvertieren, ich würde Heute umsteigen. Ich kann derzeit nur Jedem von einem Upgrade auf Lightroom5 abraten und hoffe Adobe behebt die Probleme schnell. Lightroom ist eben in die Gattung des Obsts einzuordnen. Bananensoftware – Reift beim Kunden.

Einen kurzen Audiobeitrag für Happy Shooting #313 zu den Problemen in LR5 könnt ihr euch hier anhören…

[Update: 22.08.2013 – Ein Update bzw. Hotfix lässt noch immer auf sich warten, einen Artikel dazu finden Sie hier…]

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9 Kommentare zu “Lightroom 5 – Lohnt das Upgrade?

  1. Ich kann NICHT bestätigen, dass LR5 langsamer startet – auf meinem 64bit win7 mit SSD startet LR blitzartig. Auch der Korrekturpinsel ist ohne Zeitverzögerung einsetzbar. Die angeführten Probleme sind m.E. kein Grund, diese Software als Bananensoftware zu bezeichnen. Ich arbeite seit 20 Jahren mit Adobeprodukten als profess. Bildbearbeiter und würde NIEMALS Adobeprodukte substituieren. Man muss das Gesamtpaket sehen, nicht die einzelnen Module. Adobe hat bis jetzt jede Software auf Vordermann gebracht, vor allem die großen Teile wie PS, ID, Acrobat etc. haben bis dato nie große Kinken mitgebracht, ich kann mich an keine kleinen und großen Katastrophen erinnern.

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    • Hallo Chris, LR5 startet bei mir auch schnell, LR4 mit gleichem Katalog jedoch schneller. Ich hatte bisher nie Geschwindgikeitsprobleme mit Lightroom aber da gab es von vielen Usern schon bei früheren Versionen Kommentare über extrem langsame Korrekturpinsel, eventuell hat es diesmal mich erwischt. Wie gesagt, unter Windows gibt es nur Lightroom und deshalb bleibe ich auch weiterhin dabei. Ich war bisher ganz zufrieden, auch wenn man sich da schon die ein oder andere Funktion seit Langem wünscht aber wie du sagst das Gesamtpaket hat immer gepasst. Ich bin trotzdem sehr darüber enttäuscht, dass hier eben in der Version 5 so viele teils kritische Fehler enthalten sind, die auch in der Beta schon bekannt waren und offensichtlich nicht behoben wurden.

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  2. Pingback: Lightroom 5 ist da, wechseln oder warten? | Frank's Foto Blog

  3. Das Upgrade auf LR 5 nicht zu empfehlen, halte ich für maßlos überzogen. Das der JPEG Export derzeit nicht ganz fehlerfrei läuft, ist nicht schön, aber auch kein Riesendrama. Man kann die Bilder auch extern runterrechnen lassen. Bzgl. RAM und Geschwindigkeit habe ich keine Auffälligkeiten bemerkt. Das Programm is auf einem modernen Rechner stabil und schnell.

    Insgesamt ist LR 5 ein empfehlenswertes Update mit guten Produktivitätsverbesserungen. Die bekannten Probleme werden mit Sicherheit sehr schnell behoben.

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    • Die Fehler die derzeit leider noch immer bestehen überwiegen meiner Meinung nach die nur sehr geringen Neuerungen von LR4 auf LR5. Meiner Ansicht nach ist LR4 zum aktuellen Stand die bessere Wahl, zumal die beschriebenen Probleme dort nicht auftreten. Das Geschwindigkeits und RAM Problem besteht bei einigen Usern, siehe auch Adobe Foren!

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    • Hallo tgutgu, zwei Monate nach Erscheinen der fehlerhaften Version gibt es immer noch kein Update / Bugfix…

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  4. „Wer ernsthaft fotografiert kommt nicht mehr um ein vernünftiges Programm zur Entwicklung von RAW-Dateien und Bildverwaltung herum.“

    Lass doch bitte solch einen pauschalisierenden Unsinn. Ich nutze seit „Stunde 0“ die Ordner meines Betriebssystems für mein Archiv, nach Datum sortiert. Bilder bearbeite ich ausschließlich mit Photoshop. Lightroom habe ich nie gebraucht. Wenn ich mir die Bugliste so ansehe, habe ich auch keine Angst, etwas zu verpassen…

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    • Hallo Johann,
      Unsinn ist es nicht, denn wie du selbst schreibst brauchst du Photoshop um deine RAW-Dateien zu entwickeln! Ich hatte früher auch alle Aufnahmen über das Ordnersystem aufbewahrt, das Suchen per Stichwörter war jedoch nicht möglich, deshalb hatte ich mich dann für Lightroom entschieden.

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  5. Pingback: Lightroom 5.2 – Ungezieferjagd erfolgreich? | lanpho

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